Stiftung
Als Stiftung der Bergedorf-Bille setzen wir uns für soziale Integration in den Quartieren ein. 2025 lag unser Schwerpunkt darauf, bestehende Nachbarschaftsstrukturen zu stärken und mit dem Ausbau strategischer Bündnisse neue Antworten auf drängende soziale Fragen unserer Zeit zu finden.
Gemeinschaft fördern
Wohnen ist mehr als nur ein Dach über dem Kopf. Das Fundament unserer Arbeit sind die Menschen, die unsere Quartiere mit Leben füllen.
In einer Zeit, in der gesellschaftlicher Zusammenhalt wichtiger ist denn je, schaffen wir verlässliche Orte der Begegnung – denn eine funktionierende Nachbarschaft gibt lebenslang sozialen Halt. Die Bergedorf-Bille Stiftung betreibt aktuell 17 Nachbarschaftstreffpunkte, die als lebendige Ankerpunkte in den Stadtteilen und als Herz unserer Quartiere fungieren. Dass sie täglich mit Programm gefüllt sind, verdanken wir dem beeindruckenden Einsatz von über 100 ehrenamtlichen Gruppenleitungen. Das Jahr 2025 stand im Zeichen des Generationenwechsels: Wir konnten eine ganze Reihe neuer Engagierter in unserem Kreis begrüßen, die frische Ideen und moderne Formate mitbringen. Gleichzeitig verabschiedeten wir einige langjährige Aktive altersbedingt in den wohlverdienten „Ruhestand“. Ihr jahrelanges Engagement hat die Kultur unserer Stiftung tief geprägt – dafür gilt ihnen unser aufrichtiger Dank.
Vielfalt, die verbindet
In unseren Treffpunkten finden jede Generation und jedes Interesse einen Platz. Die Bandbreite der Angebote wächst stetig: Von Strick- und Häkelrunden über künstlerische Workshops bis hin zum gemeinsamen Plattdeutsch- oder Gehirntraining. Besonders freuen wir uns über neue Formate wie die Smartphone- und Tablethilfe in Lohbrügge, den Bille-Kleidertausch in der Wilhelm-Bergner-Straße oder den russischsprachigen Schwangerentreff. Auf dem Nachbarschaftsacker im Dünenweg wurde 2025 bewiesen, dass Gärtnern keine Saisonpause kennt. Unsere Gärtnergruppe säte, harkte und kochte sich mit Freude durch das ganze Jahr.
Unterstützung und Wertschätzung
Ehrenamt braucht Rückhalt. Die Engagierten in den Quartieren sind für das Wirken der Stiftung am wichtigsten. Deshalb begleiten wir sie gezielt: Mit Zuschüssen in Höhe von knapp 1.500 Euro unterstützten wir gemeinschaftsbildende Maßnahmen wie zum Beispiel Ausfahrten, Feiern und Anschaffungen wie Spielesammlungen oder Bastelmaterial. Zudem gab es kostenfreie Weiterbildungen und Infoveranstaltungen – von Erste Hilfe bis Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung. Ein Highlight war unser Sommerfest als Dank an alle Ehrenamtlichen. Das bunte Mitbring-Buffet und der Spieleparcours sorgten für Begeisterung. Dass der Vorstand höchstpersönlich am Grill stand, war für viele Gäste ein besonderes Zeichen der Wertschätzung.
Impulse für die Quartiere
Über die eigenen Treffpunkte hinaus hat die Stiftung 2025 Projekte in den Bereichen Altenhilfe, Jugendhilfe und Völkerverständigung mit insgesamt knapp 7.800 Euro gefördert. Der AWO Kita Billwerder Straße ermöglichten wir die Ausstattung eines Snoezelenraums – mit Podestlandschaft und Kuschelnest. Der SerrahnEINS e.V. veranstaltete mit unserer Hilfe ein Konzert mit jiddischer Musik mit Stella Morgenstern. Am Weltkindertag unterstützten wir das inklusive Kinderfest des Vereins „Etsome – Kinder sind die Zukunft e.V.“
Partnerschaft für Demokratie
Demokratie braucht einen Ort, an dem sie praktiziert wird. Als Genossenschaftsstiftung schaffen wir dafür Räume.
Ein Meilenstein war daher der Start der Partnerschaft für Demokratie (PfD) Bergedorf Anfang 2025. In enger Kooperation mit dem Bezirksamt Bergedorf setzen wir hier das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ lokal um und überführen das 2024 initiierte „Netzwerk Bergedorf – für Demokratie und Zusammenhalt“ in eine gefestigte Struktur.
Die Bundesförderung in Höhe von 154.000 Euro ermöglichte uns die Einrichtung einer Koordinierungs- und Fachstelle. Damit fungiert die Stiftung nun als zentrale Drehscheibe für Demokratiestärkung und zivilgesellschaftliches Engagement im Bezirk.
Unsere strategischen Säulen:
Demokratie stärken
Die Strahlkraft unseres Aktionsfonds zeigte sich 2025 in beeindruckenden Projekten:
Die Unterstützung des Chores der „Omas gegen Rechts“ für ihren Auftritt beim Festival „Jamel rockt den Förster“ unterstrich den Mut zur klaren Positionierung gegen Rechtsextremismus.
Das Projekt „Young Human Library“ des KIKU Kinderkulturhauses brach Vorurteile auf, indem Kinder als „lebendige Bücher“ ihre Lebenswelten für andere lesbar und erlebbar machten.
Die bezirksweite Aktion „Kreuze ohne Haken“ mobilisierte zahlreiche Bürger*innen, die durch handwerkliches Engagement ein sichtbares Bekenntnis zu einer offenen und vielfältigen Gesellschaft ablegten.
„Demokratie beginnt im Treppenhaus.“ Dieser Leitsatz macht deutlich: Gesellschaftliche Veränderung entsteht im unmittelbaren Miteinander. Jede und jeder kann das eigene Umfeld aktiv mitgestalten.“
Marko Lohmann
Vorstand Bergedorf-Bille
Gemeinsam für alle
Was Ehrenamtliche fürs Miteinander und für die Demokratie tun und mit welchen Möglichkeiten Engagement gefördert wird, erklärt Cornelia Springer-Fouad, Geschäftsführerin der Bergedorf-Bille-Stiftung
Bündnis gegen Einsamkeit
Einsamkeit ist kein privates Schicksal, sondern eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit.
Wer sozial isoliert ist, verliert oft den Glauben an die eigene Wirksamkeit und zieht sich aus dem demokratischen Diskurs zurück. Deshalb ist unser Engagement gegen Einsamkeit immer auch indirekte Demokratieförderung.
Im Februar 2025 feierte das Bündnis gegen Einsamkeit Hamburg (BgEH) sein offizielles Kick-Off in der Rathauspassage Hamburg. In diesem Netzwerk bündeln Akteur*innen aus ganz Hamburg – Genossenschaften, Stiftungen, Wohlfahrtsverbände und Vereine – ihre Kräfte. Um die Schlagkraft des Bündnisses zu sichern, haben wir in unserer Stiftung eine eigene Geschäftsstelle eingerichtet. Ermöglicht wurde dieser Aufbau durch eine großzügige Spende des Vereins Freundeskreis Oberaltenallee e.V., dem wir zutiefst dankbar sind.
Niedrigschwellige Begegnungen
Theorie ist wichtig, doch es braucht auch Praxis. Mit der Aktion „Lust auf Kuchen zu zweit?“ haben wir 2025 ein Format etabliert, das Kontakte in der Nachbarschaft so einfach wie möglich macht. Über den Aktionsfonds „Kuchen verbindet“ können seit Anfang 2025 Gruppen und Einrichtungen unbürokratisch Budgets beantragen, um eigene Events durchzuführen. Ermöglicht wurde der Fonds dank einer Förderung durch die NDR-Benefizaktion „Hand in Hand für Norddeutschland“. Unter dem Motto „Gemeinsam aus der Einsamkeit“ riefen wir hamburgweit Organisationen auf, sich mit eigenen Programmpunkten an der bundesweiten Aktionswoche des Kompetenznetz Einsamkeit (KNE) im Juni zu beteiligen. Auch im digitalen Raum waren wir präsent, etwa mit unserem Instagram-Adventskalender.
Unser Plan gegen Isolation
Wir begegnen Einsamkeit konsequent auf allen Ebenen:
Langfristige Ziele
Wir stehen in engem Austausch mit Verwaltung und Politik, um eine Landesstrategie gegen Einsamkeit auf den Weg zu bringen. Für uns als Genossenschaftsstiftung ist dies keine „Zusatzaufgabe“, sondern die konsequente Fortführung unseres Satzungsauftrags. Prävention durch Vernetzung ist betriebswirtschaftlich sinnvoll und menschlich geboten – bevor Isolation in soziale Not umschlägt.
„Einsamkeit gefährdet den Zusammenhalt. Wer sich nicht zugehörig fühlt, wird anfälliger für ausgrenzende Angebote. Umso wichtiger sind simple Lösungen im Alltag: Eine aufgestellte Fußmatte oder ein bewegtes Rollo als tägliches Lebenszeichen unter Nachbarn können viel bewirken.“
Cornelia Springer-Fouad
Geschäftsführerin der Bergedorf-Bille-Stiftung